Vortrag zum Mediengebrauch im Kindes- und Jugendalter
 
Unter dem provokativen Titel "Mit 5 habe ich meine Phantasie an Nintendo verkauft" hielt der Regisseur und Medienpädagoge Wilfried Brüning am 23.04. in der Aula der Friedeburger Schule Altes Amt einen interessanten und zugleich nachdenklich stimmenden Vortrag. Dazu eingeladen hatte die Sonnensteinschule in Horsten alle Kindergärten und Schulen der Gemeinde.
 

Herr Brüning betonte, es gehe nicht darum die neuen Medien zu verteufeln, sondern darum, einige elementare Regeln zu beachten, um nachhaltigen Schäden vorzubeugen, denn ein Gehirn entwickele sich immer so, wie man es nutze.

"Wenn unsere Kinder sich überwiegend in virtuellen Welten aufhalten, werden ihre Gehirne einfacher strukturiert, die Ausbildung so genannter Metakompetenzen wird verhindert, ebenso wird das Lernen lernen und die Reifung der kindlichen Psyche stark beeinträchtigt. Bildschirmkinder bekommen ein Gehirn, mit dem sie sich in den virtuellen Welten bestens zurechtfinden - im realen Leben dagegen immer weniger. Der Prozess dieser Kompetenzentwicklung (der Gehirnentwicklung) dauert bis zum 18. Lebensjahr. Während dieser Zeit müssen wir den Bildschirmmedienkonsum unserer Kinder jeweils altersgemäß begrenzen."

 

Was muss man also als Eltern tun?

- Sorgen wir dafür, dass unsere Kinder möglichst viele Erfahrungen mit allen Sinnen in der realen Welt machen, denn nur so entsteht vernetztes Denken.

- Fernseher, Computer, Nintendo usw. sind Zeiträuber, die Kinder in Richtung "Passivwesen" verwandeln. Richtzeit für deren Gebrauch im Grundschulalter zwischen 30 und 60 Minuten (aufsteigend von Klasse 1 bis 4).

- Kein Fernsehen, keine Computerspiele zwischen Schule und Hausaufgaben. Das Gehirn ist zu diesem Zeitpunkt noch dabei, die Daten des Vormittags vom Arbeitsgedächtnis ins Langzeitgedächtnis zu übertragen. Fernsehen und Computerspiele (Mama, nur 10 Minuten!) zerstören diesen Prozess und Wissen geht verloren! Statt dessen zur Entspannung lieber chillen, toben, ein Hörspiel oder Musik hören.

- Verbrachte Zeit vor den Medien kann nicht durch Aktivitäten in der realen Welt ausgeglichen werden, angerichtete Schäden bleiben daher.

- Fernsehprogramme und PC-Spiele müssen altersgerecht sein. Keine Programme mit Werbeblöcken, kein Privatfernsehen.

- Kein Fernseher, kein Computer im Kinderzimmer (unter 16 Jahren). Ein Fernseher im Zimmer eines Grundschulkindes ist mit grober Vernachlässigung gleichzusetzen.

- Keine Angst haben vor unwirschen Reaktionen ihrer Kinder bei Nichterfüllen von deren Wünschen in Bezug auf etwas nicht sehen oder haben dürfen. Sie erlauben ja auch nicht das frühzeitige Rauchen oder Trinken von Alkohol! Dadurch geht kein Urvertauen verloren.

- Bleiben Sie standhaft, wenn Sie hören: "Die anderen dürfen ..., haben das auch." Sagen Sie: "Bei uns ist das anders. Wir wollen das so oder so nicht! Dann haben die anderen eben noch nicht genügend nachgedacht." Diese Art wichtiger Entscheidungen liegen nicht in Kindeshand.

- Fördern Sie statt dessen den kreativen Umgang mit den neuen Medien z.B.  Digitalkamera und Bildprogramme zur Herstellung von Bildbänden, mit denen man Verwandten eine Freude bereiten kann.

 

Quelle: Merkheft Das Wichtigste aus dem Vortrag "Mit 5 habe ich meine Phantasie an Nintendo verkauft" Brüning Film, Triftenstraße 42, 32758 Detmold (5€)